Fachkräftemangel in der Pflege: Was Personalverantwortliche jetzt wissen müssen
Personalberater.de Redaktion

Der Fachkräftemangel in der Pflege verschärft sich dramatisch. Erfahren Sie, welche Strategien Personalverantwortliche jetzt nutzen müssen – von Mitarbeiterbindung bis internationalem Recruiting.
Die Zahlen sind eindeutig, die Konsequenzen gravierend – und die Zeit für halbherzige Maßnahmen ist längst abgelaufen. Der Pflegesektor steht vor einer strukturellen Personalkatastrophe, die sich in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen wird.
Die Lage: Zahlen, die keine Spielräume lassen
Der Bedarf an erwerbstätigen Pflegekräften wird ausgehend von 1,62 Millionen im Vor-Corona-Jahr 2019 voraussichtlich um ein Drittel auf 2,15 Millionen im Jahr 2049 steigen. Das ist keine ferne Zukunftsprognose – die Lücke öffnet sich bereits jetzt.
Die Arbeitsmarktreserve an Pflegefachkräften lag 2025 bei nur noch 2 Prozent und sinkt weiter. Über 46.000 Stellen im Gesundheitswesen blieben zuletzt unbesetzt – mehr als in jeder anderen Branche.
In der ambulanten Pflege ergibt sich ein Mehrbedarf von 60 Prozent, in der stationären Altenpflege von 39 Prozent, in Krankenhäusern von 14 Prozent. Die ambulante Versorgung – also jener Bereich, der für die meisten pflegebedürftigen Menschen der erste Anlaufpunkt ist – ist damit am stärksten gefährdet.
Der Teufelskreis: Wer bleibt, leidet – und geht dann auch
Das eigentlich Alarmierende ist nicht der demographische Druck allein. Es ist die Dynamik, mit der gut ausgebildete Fachkräfte den Beruf aktiv verlassen. Von 2022 bis 2023 verließen rund 191.000 Personen Engpassberufe zugunsten von Jobs ohne Fachkräftemangel. Nur 167.000 kamen in die Gegenrichtung – netto also ein Verlust von 24.000 Fachkräften in einem einzigen Jahr.
Noch gravierender: Mehr als zwei Drittel derjenigen, die den Gesundheits- und Pflegebereich verlassen, orientieren sich beruflich komplett um – Verwaltung, Einzelhandel, Logistik. Zehn oder fünfzehn Jahre Erfahrung im Umgang mit Schwerkranken lassen sich nicht in sechs Monaten nachschulen.
Die Wahrscheinlichkeit eines krankheitsbedingten Ausfalls ist bei Pflegekräften 28 Prozent höher als in anderen Berufen. Wer krank zur Arbeit geht, weil niemand einspringt, erholt sich nicht – und fällt bald länger aus. Ein klassischer Teufelskreis.
Internationale Fachkräfte: Notwendig, aber kein Allheilmittel
Seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der deutschen Pflege ausschließlich von ausländischen Fachkräften getragen. Die Zahl der deutschen Pflegekräfte geht zurück – in der Altenpflege sank sie 2023/2024 um vier Prozent. Bereits jede sechste Pflegekraft kommt aus dem Ausland.









